Der Verband braucht DICH!

Eine gewaltige bayerische Meisterschaft ist vorbei. Es war für uns wohl der erfolgreichste Wettkampf überhaupt. Insgesamt betrachtet lief gefühlt 99% alles nach Plan. Wir haben keinen ungütligen Versuch in der Kniebeuge, zwei Fails im Kreuzheben, viele Versuche on Point. Einige wenige Fails im Bankdrücken. Jeweils nichts schlechteres als 8/9 gültige Versuche und teils um die 30 kg Total PRs. Wir könnten nicht zufriedener sein. Auch zwei verletzte Athleten, die gestartet sind um sich für die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren, lieferten zum Teil über den Erwartungen ab. Im allgemeinen war das Niveau des Wettkampfes aber ziemlich hoch, was wir sehr positiv wahrnehmen! Das soll aber nicht unser Thema sein.

Kraftdreikampf in Bayern

In diesem Post soll hauptsächlich hervorgehoben werden, was sich gerade in Bayern tut. Der Bayerische Verband beweist Charakter, fördert den neuen Classic Bereich ungemein und sorgten für reibungslose Wettkämpfe. Besonderes Lob gilt den Veranstaltern. Sie hatten mit 155 gemeldeten Startern eine Mammutaufgabe zu bewältigen und gewährleisteten einen beinahe perfekten Ablauf. Trotz sehr starker personeller Belastung wurde noch auf Wünsche eingegangen und vor allem den Athleten eine schöne Wettkampferfahrung ermöglicht. Für viele war es der erste Wettkampf – deswegen will ich das gerade hervorheben. Nicht nur das. Es wurden Standard Rekorde für Bayern im Classic Kraftdreikampf umfangreich erarbeitet, damit den Hebern das Aufstellen von Rekorden möglich war. Außerdem gibt es seit diesem Jahr einen Classic Landeskader, in dem Athleten gefördert werden.

Neben dem Veranstalter, dem AC Bavaria Forchheim, sei noch Rosina Polster, die Vizepräsidentin Kraftdreikampf im BGKV, durch ihren unermüdlichen Einsatz im Verband und auch an diesem Wettkampf hervorzuheben. Das klingt jetzt vielleicht alles danach, dass wir nur „Honig ums Maul schmieren“. Jedoch legen wir großen Wert auf Authentizität und sind nicht immer zimperlich mit unserer Kritik. Jedoch wäre diese bei der derzeitigen positiven Entwicklung Fehl am Platz. Wir sind stolz Teil des Verbandes sein zu dürfen – insbesondere mit dem 1. AC Bayreuth, für den viele unserer Athleten starten. Nicht von der Hand zu weisen ist die Entwicklung, welche zu 99% nur positiv zu bewerten ist und wir auf eine Ära zusteuern, die es dem bayerischen Kraftdreikampf, sowie dem BVDK, ermöglicht zu wachsen und ein Zugewinn öffentlicher Wahrnehmung sehr wahrscheinlich ist. Jetzt zum kritischen Teil.

Der Verband hat sein Soll erfüllt – jetzt bist du dran

Das hier ist ein Appell an die Neuen. Nicht zuletzt müssen wir uns da auch an die eigene Nase fassen. Es gibt nicht nur Vorteile durch das Wachstum des Sports. Es gibt dadurch neue und größere Herausforderungen für den Verband und somit für die Helfer. Das Problem ist die Struktur, welche nur noch indirekt über den Verein erfolgt. Viele Athleten, vor allem auch bei uns, sind nur noch formell Teil eines Vereins. Das ist grundsätzlich nichts schlechtes, jedoch birgt es Risiken, welche gerade zu Tage treten. Es fehlen oftmals Helfer. Viele Leute sind im Verein um auf die Plattform gehen zu können. Jedoch muss jedem klar sein, dass mit jedem neuen Starter auch ein gewisser Teil an Helfer dazu kommen muss. Das betrifft primär Kampfrichter und Scheibenstecker, jedoch auch einige andere Helfertätigkeiten. Es geht ums ausrichten, um die Unterstützung als Gastverein – es wird nicht leicht. Vor allem mein Verein, was ich als Abteilungsleiter erwähnen muss, steuert auf Probleme zu. Uns sind alte Kampfrichter weggefallen und dafür müssten jetzt eben neue hinzukommen. Die Zahl der Starter ist extrem gewachsen, aber nicht die der Helfer. Das heißt ich als Abteilungsleiter habe jetzt eine Aufgabe zu bewältigen – die Herstellung einer Balance zwischen Geben und Nehmen. Wir wollen auch damit anfangen Wettkämpfe auszurichten. Jetzt soll das keine Abhandlung über unsere Pläne sein, sondern nur ein Beispiel für ein umfangreiches Problem. Gerade droht diese Balance zu kippen und ich sage nochmals: mein Verein geht bisher noch nicht mit positivem Beispiel voran. Das wollen wir aber ändern. Viele andere Vereine tun es bereits. Jedoch muss man dazu sagen, dass unsere Kraftdreikampfabteilung vor wenigen Jahren sozusagen neu eröffnet wurde.

Wie geht man das Problem an?

Erst einmal muss man sagen, dass es für jede Problemstellung in der Regel eine Lösung gibt. Die Lösung ist nicht, massenweise potentielle Mitglieder abzulehnen, weil sie bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllen, für die sie wenig können. Ich denke man muss nur eine Sache klären. Sind sie gewillt im Zweifelsfall mit anzupacken? Rein aus egoistischer, aber langfristiger Sicht ist das natürlich völlig logisch. Packt niemand an, wird es bald keine Wettkämpfe mehr geben können oder die Starterfelder müssen extrem eingeschränkt werden. Das wäre eine unschöne Lösung, wobei die Neuentwicklung von RAW Standards für bestimmte Wettkämpfe – wie es im BGKV beim Gewichtheben die Norm ist – einen adäquaten Ansatz darstellt. Aber im Grunde ist es nur eine weitere Maßnahme und nicht die Lösung.

Natürlich sollte grundlegend der Reiz des Sportlers genug sein, seine Sparte am Leben zu halten, indem man mit einwirkt. Vielleicht wären zusätzliche Reize aber auch interessant. Rein aus psychologischer Sicht, lässt sich mit Strafen oder mit Belohnungen arbeiten. Ich bin kein Psychologe, jedoch denke ich mit Strafen alleine ist es nicht getan. Zum Beispiel sind Strafleistungen fällig, wenn man kein bestimmtes Helfer Pensum erreicht. Auch das kann sicher funktionieren. Oder man arbeitet mit lokalen Sponsoren bei den Wettkämpfen, die wiederum dafür Sorgen, dass jeder Helfer eine Belohnung erhält. In welcher Form das erfolgen kann, ist eine andere Sache. Jedoch könnte man über diesen Ansatz nachdenken, wenn es nicht zum Teil schon praktiziert wird.

Die Scheibenstecker an der Landesmeisterschaft haben einen überragenden Job gemacht und sind nochmals für ihre Bemühungen hervorzuheben. Ich denke niemand würde es ihnen verkennen, wenn sie dafür eine Kompensation erhielten. Das sind alles nur Ideen. Die Richtung sollte aber klar sein. Wir brauchen funktionierende Vereinsstrukturen und viel mehr Helfer.

Am besten gehen die Heber, die diesen Text gelesen haben mit gutem Beispiel voran. Meldet euch bei eurem Verein und fragt wie ihr Helfen könnt. Ich kann euch als Abteilungsleiter sagen, dass wir nur genau darauf warten und bei uns jeder Helfer willkommen ist. Sei es bei der Ausrichtung oder bei Wettkämpfen auswärts. Wir brauchen DICH! Ihr seid das Fundament des Verbandes. Nicht die Offiziellen, die sicher ein wichtiger Teil sind. Aber ohne euch sind sie machtlos. Ihnen sind die Hände gebunden, weil sie schon sonst “allerhand” zu tun haben und auf EUCH angewiesen sind. Es gibt kaum einen Sport der so stark vom Athleten abhängig ist. Und ich spreche aus Erfahrung. Seid euch eurer Aufgabe als Athlet bewusst. Ihr sollt super Leistungen im Wettkampf erbringen – das ist klar. Aber ermöglicht es ab und an auch anderen Leuten diese Leistungen zu bringen. Also erscheint auch, wenn ihr nicht auf der Starterliste steht!

Ich will euch nicht länger langweilen. Ich denke ihr wisst was zu tun ist. Tut es einfach.

Ansonsten wünsche ich noch ein gutes Training und eine verletzungsfreie Zeit! Ein ausführlicher Bericht zu den Leistungen unserer Athleten wird in Kürze noch folgen!

Sportliche Grüße,

Julian & Euer DS Team

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Kommentare
  1. Danke Julian, für diesen Appell! Hoffentlich rüttelt er einige Sportler wach. Das Phänomen, dass der Verein, wie ein Fitnessstudio gesehen wird, treffen wir leider auch viel zu häufig an. Man kommt zum Training und damit hört dann die Bereitschaft für das Vereinsleben auch schon auf. Es würde mich sehr freuen, wenn viele diesen Artikel lesen und sich deine Worte zu ❤️ nehmen!

    Liebe Grüße aus Neu-Ulm
    Hannah Döhrmann
    Abteilungsleiterin KDK
    ASV Neu-Ulm

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