Aktuell finden sehr viele Landesmeisterschaften statt und Ergebnisse spielen wieder eine wichtige Rolle. Anhand des Buches „Thinking, Fast and Slow“ von Daniel Kahneman hinterfragen wir des öfteren bestimmte Denkmuster, die wir und andere im Powerlifting verwenden.

Auf der einen Seite stehen Excuses – die Außenstehende oft als stupide Ausreden abstempeln. Auf der anderen Seite steht eben ein Ergebnis, welches nicht ohne Kontext betrachtet werden sollte. Es kann zum Beispiel passieren, dass man für ein gutes Ergebnis ein erhöhtes Risiko eingeht und am Ende dafür belohnt wird. Oder genau das Gegenteil eintritt und man bestraft wird. Diese Dinge spiegeln sich zum Teil nur begrenzt in den Ergebnislisten wieder, welche man betrachtet. An einem Beispiel lässt sich dieses Thema aber besser erklären.

Die Excuses vs. das Ergebnis

Beispielsweise hat man ein beeindruckendes Ergebnis wie eine Goldmedaille in der Kniebeuge an einer Europameisterschaft. Lucas ist ohne Frage ein starker Beuger, vor allem im nationalen Bereich. Damals war er international aber streng genommen nicht dominierend und keinesfalls favorisiert. Es mussten viele Dinge bei vielen Athleten schief laufen für diese Goldmedaille. Wenn wir uns jetzt im Nachhinein auf die Schulter klopfen und sagen: „Lucas ist der stärkste Beuger Europas in seiner Klasse, wir haben alles richtig gemacht – wir sollten am Besten nicht mehr am Coaching arbeiten, ist ja alles perfekt“, dann machen wir etwas falsch.

Man sollte sich immer den Umständen im Klaren sein, warum ein Ergebnis eintritt. Lucas hat im obigen Beispiel mit seiner letzten Kraft alles gegeben um diesen Versuch zu packen und vielleicht haben der Bundestrainer und wir mit dem Versuch die richtige Entscheidung getroffen. Es war in dem Fall das Beste was wir machen konnten und kein absoluter Zufall. Darüber hinaus waren die meisten Umstände außerhalb unseres Einflussbereiches. Wir haben auch nicht versucht einem Konkurrenten eine Hantelscheibe auf den Fuß fallen zu lassen.

Man hat nicht immer Glück

In einem anderen Szenario hat Lucas in der Kniebeuge und im Kreuzheben eine wirklich gute Performance hingelegt. Er hat erst einen neuen Juniorenrekord mit 280 kg gebeugt und eventuell war da auch noch etwas Luft. Beim Kreuzheben lief es beinahe perfekt. Sein Opener war super leicht. Der zweite Versuch mit 265 kg ging so geschmeidig wie nie. Wir konnten seine Technik verbessern und das erste mal konnte er mit so einem hohen Gewicht einen schnellen Lockout hinkriegen. Das bedeutet meistens, dass man seine Glutes im Lockout benutzt hat und nicht seinen Rücken. Bei den 281 kg im dritten Versuch wurde er – vor allem im Nachhinein verständlicherweise – sehr nervös. Er hat nicht mit der gleichen Technik gezogen, ist unten rund geworden und hatte dann wieder diese starken Lockout Probleme. Aufgrund seiner sehr dicken Oberschenkel ist die Stange im Lockout sehr weit vom Körper entfernt. Will man bei diesem Hebel mit den Rückenstreckern auslocken, ist es ein sehr anspruchsvolles Unterfangen. Für viele Lifter – vor allem leichtere Leute – kann es hingegen so gut funktionieren.

Jedenfalls war es ein kleiner technischer Fehler, der über alles entschieden hat. Er hätte die B-Kadernorm übertroffen, wohl den ersten Platz gemacht, einen deutschen Rekord im Kreuzheben und einen deutschen Rekord im Total gehabt. Eine Sekunde Unachtsamkeit entscheidet über – richtig geiler Wettkampf oder gefühlt ein totaler Misserfolg. Es waren 15 kg die letztendlich auch im Total gefehlt haben. Bis dahin verlief sein Wettkampf perfekt, nur dass das Bankdrücken an dem Tag wieder etwas schwächer war als geplant. Aber das wäre alles vom Ergebnis hinnehmbar gewesen.

Jeder Wettkampf ist nur Teil des Prozesses

Worauf ich hinaus will: Ergebnisse sind wichtig und die Messlatte für jeden Wettkampf. Wir betreiben den Sport, weil er sehr objektiv sein kann. Kampfrichterentscheidungen wurden bisher noch gar nicht miteinbezogen. Man kann ein super Ergebnis mit 2:1 gültig haben und ein katastrophales Ergebnis durch 1:2 rote Lichter zu seinen Ungunsten. Ein Knopfdruck einer anderen Person wird darüber entscheiden, ob du als gefeierter Athlet von der Bühne gehst oder dein Total nicht annähernd dein Potential widerspiegelt. Ja sicher werden die Außenstehenden primär das Ergebnis betrachten. Wichtig ist aber, wie ihr selbst euer Ergebnis analysiert. Ob Höhenflug oder depressive Verstimmung. Analysiert objektiv was vorgefallen ist. Warum was passiert ist. Ob die Kampfrichterentscheidungen gerechtfertigt waren oder nicht. War die Versuchsauswahl schlecht, weil es nicht geklappt hat? Das muss nicht sein. War sie gut, weil es geklappt hat? Nicht gezwungenermaßen.

Der Wettkampf – ob er gut oder schlecht verlief – ist nur Teil des Prozesses. Solange ihr etwas daraus lernen könnt, war es ein guter Wettkampf. Völlig egal, was das Total auf dem Papier aussagt. Das ist genau das Gegenteil von zielorientiertem Denken – sondern ergebnisorientiert (Outcome Focused). Man würde dann sagen, wenn das Ergebnis gut war, hat man alles richtig gemacht. Wenn es schlecht war, hat man alles falsch gemacht. Prozessorientiertes Arbeiten hat auch viel mit “Mindfulness” gemein. Man ist im Moment, macht gewisse Prozesse mit vollem Bewusstsein – ohne gleichzeitige Wertung. Auch während des Trainings nicht. Man schafft sich einen emotionalen Abstand. Das sollte man auch bei einem Wettkampf machen – egal wie es ausgeht. Man geht mit einem Lächeln hinaus und weiß ganz genau „Heute habe ich wieder wirklich viel gelernt, ich werde besser, egal was heute war“. Man hat sicher an dem Tag alles gegeben und kann sich freuen diese Erfahrung gemacht zu haben. Was die wirklichen Hintergründe waren, kann man im Nachhinein analysieren. Wobei man dabei nur aufpassen sollte ist nicht zu überanalysieren.

Die Banane nach dem Kniebeugen war katabol und hat mir die Performance geraubt!

Wenn euer Wettkampf jetzt erst stattfindet – z.b. die Landesmeisterschaft in Bayern am 12. und 13.05. dann habt keine Angst vor dem Ergebnis. Schafft euch einen emotionalen Abstand. Ihr macht die letzten Tage alles wie immer und möglichst optimal. Ihr macht euch nicht verrückt, solltet den Wettkampf nicht als Stressor betrachten und eurem Alltag ganz normal nachgehen. Dann werdet ihr auf die Plattform steigen, euer Bestes geben und danach schlauer sein. 

Falls euer Wettkampf schon stattgefunden hat, dann nutzt diesen Artikel um besser zu reflektieren, zu lernen und somit bessere Powerlifter zu werden.

ES GIBT KEIN SCHLECHTES ERGEBNIS

Es gibt nur Leute, die stur sind und nicht lernen wollen. Gehört ihr zu denen, habt ihr unabhängig vom Ergebnis schon verloren. Wollt ihr zukünftig Dinge besser machen und aus dem Wettkampf etwas mitnehmen, dann habt ihr jetzt schon eine Medaille verdient. Lasst euch auf den Prozess ein und werdet Powerlifter. Oder ganz allgemein betrachtet – werdet Menschen, die bereit sind Fehler einzugestehen und an sich selbst arbeiten wollen.

BE DEDICATED – BECOME STRONG!

Besuche unserem Shop: https://dedicatedsports.de/shop/

Reader Interactions

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
DS Podcast 014 | Wie wirkt sich Social Media auf dich als Athlet aus?

In unser Podcast Folge 14 dreht sich alles um das Thema Sportpsychologie, Social Media und dessen Auswirkungen auf Athleten -...

Schließen